Gran Canaria

 

Talsperren auf Gran Canaria

Gran Canaria ist den Meisten nur als Urlaubsinsel bekannt. Wenige wissen, dass die Wasserversorgung zu einem bedeutenden Teil mit Hilfe von 60 Talsperren sicher gestellt wird. Dabei liegen viele dieser Talsperren nur wenige Kilometer vom Hauptbadeort Playa del Inglés entfernt und sind mit einem Leihwagen leicht zu erreichen.

Gebaut wurden die meisten Talsperren während des Franko-Regimes, z.T. mit Zwangsarbeitern.

Die bekanntesten Talsperren der Insel sind Cueva de las Niñas, El Risco, El Chorrillo, Presa de Soria und der Cercadillo.

Die mit 40 Mio. m³ Inhalt größte und wohl auch am Schönsten gelegene ist die "Embalse de Soria". Sie liegt nur 30 km von der Costa Canaria, dem Tourismuszentrum im Süden Gran Canarias, um Maspalomas, entfernt. Während der Sommermonate verbirgt sich hinter der imposanten Staumauer allerdings eher eine Pfütze als ein See. Nach ausgiebigen Regengüssen füllt er sich dann jedoch wieder sehr schnell auf.

 

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Die Bewirtschaftung der Talsperren stellt sich vor der unsicheren Niederschlagslage der Kanaren als schwierig dar. Jahre mit ergiebigen Niederschlägen, wie 1991, 1994, 2005, 2006 oder 2007 wechseln mit Trockenjahren, wie 2009, in denen viele Talsperren fast leer laufen.

So schrieben die Kanaren Nachrichten am 30.01.2007 Gran Canaria unter dem Titel „Stauseen der Insel nach den Regenfällen der letzten Tage bereits gut gefüllt“:

„Gran Canaria - Des Einen Leid ist des Anderen Freud - Wahrscheinlich gibt es keinen Urlauber auf Gran Canaria, welcher des Regens wegen auf die Sonneninsel gekommen ist- doch genau dieser Regen wurde von den Landwirten der Insel bereits sehnsüchtig erwartet. Der für die Stauseen zuständige Direktor der Insel-Regierung, José Jiménez, gab nach den heftigen Regenfällen der letzten Tage einen vorläufigen Bericht zu den Füllständen der wichtigsten Gran Canaria-Stauseen ab. Demnach könnten vor allem die Stauseen El Rincón (Tenteniguada), Caideros (Gáldar) und Los Chorros (Firgas) schon jetzt den Wasser-Jahresverbrauch der gesamten Insel für ein Jahr sicherstellen. Etwas schwächer fällt die Wasser-Ausbeute im Westen der Insel aus, die Stauseen Las Niñas (Caidero), Cercadillo (Mogán), El Chorrillo und El Risco (Agaete), sowie der Stausee von La Aldea könten noch ein paar Liter vertragen. „

Auch von Talsperrenkatastrophen ist Gran Canaria nicht verschont geblieben. Im Februar 1934 brach die 22 m hohe Bruchsteinstaumauer der Talsperre Granadillar beim Ersteinstau und forderte 8 Menschenleben.

Im Mai/Juni 2009 besuchte der Autor verschiedene Talsperren auf Gran Canaria. Hier einige Informationen und Bilder:

Die Presa de Soria ist mit 40 Mio. m³ Inhalt die größte Talsperre Gran Canarias und wird durch eine Bogenstaumauer eingestaut. Von Playa del Inglés erreicht man sie leicht über Arguineguin und dann die GC-505 mit einem Leihwagen oder auch per Fahrrad (beliebte Strecke, etwa 25 km). Es bietet sich ein imposanter Blick von der Staumauerkrone zur Luftseite und bei (leider zu häufig) leerer Talsperre auch zur Wasserseite. Die Bogenstaumauer besitzt mehrere Kontrollgänge, Messeinrichtungen sind allerdings nicht zu erkennen. Die Hochwasserentlastung erfolgt über Sprungschanze am linken Hang.

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Dass die Presa de Soria nicht immer so leer ist, zeigt auch die nebenstehende Aufnahme vom Februar 2011. Angelika Megay stellte mir dieses Bild zur Verfügung. Sie hat diese und weitere Talsperren auf Gran Canaria im Frühjahr 2011 besucht. Auf ihrer Internetseite sind viele schöne Aufnahmen und weitere Informationen zu finden, wie ein Gespräch mit dem Pegelmeister von Soria, Interessantes aus der Bauzeit usw.

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Besonders lohnenswert ist ein Besuch der Presa de Caiderode de la Niña, eine 40 m hohe Beton-Gewichtsstaumauer, gebaut 1952-1958, die ein Volumen von 2 Mio. m³ einstaut. Die Talsperre ist mit dem Leihwagen über San Nicolás de Tolentino zu erreichen. Die kurvenreiche Straße GC-210 führt durch den Barranco de la Aldea in die  phantastische Landschaft des Barranco Grande und erschließt den abwechslungsreichen Gebirgsbereich der Insel. Wegen der engen Kurven kann hier kein Touristenbus fahren und Vielen ist die Anfahrt mit dem Leihwagen über San Nicolás zu umständlich. Aber der Weg lohnt!

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Folgt man weiter der GC-210, so ergibt sich ein kurzer Blick auf den Damm der Talsperre Presa de Siberio . Der Steinschüttdamm hat eine Asphaltkerndichtung.

 

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Wenig später erreicht man die Talsperre Presa del Paralillo. Ebenfalls eine 53 m hohe Beton-Gewichtsstaumauer, gebaut 1963-1969. Das Stauvolumen beträgt rd. 4,5 Mio. m³. Im Juni 2009 war diese Talsperre leidlich gefüllt. Hier fanden wir auch die einzige Messeinrichtung (!!!), einen Niederschlagsmesser. In den kleinen Stauwurzeln der Zuflüsse der Talsperre befinden sich Geröllsperren, die einen Teil der Funktion von Vorbecken übernehmen.

Alle drei Talsperren des Barranco Grande haben ein Gesamtvolumen von 11,4 Mio. m³.

 

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Die schönste Staumauer auf Gran Canaria ist aber zweifelsohne die Staumauer der Embalse de Ayagaures. Sie liegt unweit vom Los Palmitos Zoo Park am Ort Ayagaures de Abajo und ist über die GC 504 von Maspalomas gut zu erreichen (etwa 20 km, beliebte Fahrradstrecke). Die rote Farbe des Ziegelmauerwerks passt sich wunderbar in die Landschaft ein. Zudem wohnt der Talsperrenmeister direkt an der Anlage und pflegt auch das Umfeld entsprechend. Die Gewichtsstaumauer trägt ihre Kräfte im Querschnitt ab. Die Mauer ist bogenförmig gekrümmt, was an eine Bogenstaumauer erinnert. Die Bogenform wirkt günstig auf die Standsicherheit, wurde aber statisch nicht angerechnet. Die Hochwasserentlastung erfolgt am rechten Hang über einen Überfall, von dem das Wasser durch die Staumauer und ein Ablaufgerinne am Hang abgeführt wird.

 

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Im Stauwurzelbereich finden wir die Staumauer der Embalse de Gambuesa. Sie wird durch eine Betonmauer eingestaut, die im Gegensatz zur Staumauer Ayagaures eine gerade Achse besitzt. Am rechten Hang finden wir noch Baugeräte aus der Bauzeit! Reste von einem Kran sowie Bunker zur Betonherstellung sind noch erhalten und rosten vor sich hin.

 

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